Schulz & Böhmermann – Sofagespräch #3

Es ist soweit – nach Jahren der Abstinenz sind „Roche & Böhmermann“ wieder zurück! Pardon, Frau Roche nicht, dafür macht Böhmermanns Buddelkastenfreund Olli Schulz nun mit und wer weiß, ob sich diese beiden nicht auch zerstreiten. Wir hoffen es mal nicht und verfolgen auf unserem bequemen Sofa von nun an jede Folge „Schulz & Böhmermann“. Dieses mal mit uns auf dem Sofa: Gastkommentatorin Amina (@amina_you).

Die Gäste: Autor und Kriminalist Axel Petermann, Schauspieler Samuel Koch, Moderatorin Katrin Bauerfeind, die Kölsche Kiezgröße Anton Claaßen aka Langer Tünn und vier geheimnisvolle Schattengestalten.

Ausstrahlungsdatum: 24.01.2016

Moderatorenlaune:

Amina: Entspannter als in der letzten Sendung. Böhmermann war aber sichtlich überfordert mit Samuel. Mir war Olli heute ein bisschen zu anstrengend, gerade als er im Gespräch mit dem „langen Tünn” war.

Enrico: Glücklicherweise ruhiger, aber weiterhin zu viele Unterbrecher. Wenn die witzig wären oder so – geschenkt – aber meistens geht’s nur um reine Ego-Interessen und darum, dass Jan oder Olli irgendeine vermeintlich witzige Erzählung oder Anekdote einfällt.

Gästelaune:

Amina: Die Runde war an sich ausgeglichen aber durch das ständige Wechseln kam eine Unruhe rein, die es anstrengend machte. Schade, dass Bauerfeind die einzige Frau war, wenn man Michaela Schäfer, die für drei Minuten dabei war, nicht mitrechnet. Sie hat immer wieder genau zum richtigen Zeitpunkt kluge Dinge gesagt.  

Marcel: Zum ersten Mal waren mehr Sympathen als Psychopathen in der Sendung. Axel Petermann würde ich jederzeit in meine eigene Talkshow einladen, sobald ich eine kriege. Samuel Koch ist nicht nur ziemlich smart, sondern auch ein bisschen heiß. Und gegen Katrin Bauerfeind kann ja eh niemand was sagen.

Enrico: Ganz okay. Katrin Bauerfeind und Axel Petermann super sympathisch, „Der Lange Tünn“ leider nur ein „Und Opi erzählt vom Straßenkrieg“-Brabbler und Samuel Koch hat bisher wenig erreicht, außer nicht hoch genug zu springen. An dieser Stelle lässt sich natürlich streiten, inwiefern er einfach nur smart war oder allürenhaft, aber ich finde Samuel Koch als Gesamtkonzept ziemlich nervig. An ihm lebt das deutsche Fernsehen seine Befindlichkeiten im Umgang mit Menschen mit Behinderung aus – nur deshalb wird ihm Tür & Tor geöffnet.

Alkohol- und Zigarettenverbrauch:

Amina: Wurde überhaupt getrunken? Geraucht hat doch auch wieder nur Olli und das gefühlt auch nicht so viel. Wobei Katrin Bauerfeind über das Rauchen redete.

Marcel: Ja, sie hat mit dem Rauchen aufgehört! Das finde ich irgendwie enttäuschend.

Enrico: Ich frage mich immer, ob proforma Whiskey eingegossen wird oder nicht. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Runde, bei der die Whiskey- und nicht die Wasserflasche ausgetauscht wird.

Lieblingsgesprächsfetzen:

Amina: Samuel: “Ich kenn mich aus mit Barrieren” und “Du bist das Maskottchen von Köln Energy? Ja… ich hab bis eben auch noch nie Mordfantasien gehabt.”  

Marcel: Samuel Kochs Backstage-Geschichte über die letzte „Wetten, Dass“-Sedung. Damals gab es viel Kritik wegen Lanz` unbeholfenem Umgang mit Samuel Koch. Koch selbst hat dafür aber eine charmante Erklärung: Kurz vor der Sendung habe Lanz versehentlich seinen elektrischen Rollstuhl aktiviert, der daraufhin mit Volltempo durch die Kabine in den Kaffeeautomaten fuhr. Lanz’ Vorsicht in der Sendung galt also offenbar eher dem Rollstuhl als Samuel Koch.

Enrico: Ollis Schlusswort zur Alpha-Mentalität auf der Straße und die blinde Glorifizierung eines sehr gewaltvollen Alltags. Das kam von Herzen und ich fand’s schade, dass der Part etwas unterging. Und Samuels schnelle Konter gegen Jan waren zugegeben recht gut.

Hiervon gab’s zu viel:

Amina: Sexworker-shaming. Das war richtig ätzend und muss nicht sein.

Marcel: Sexistische und rassistische Fehltritte. Und das nun schon das dritte Mal in drei Sendungen: Kollegahs Aussagen zu sexualisierter Gewalt in Folge 1, die übertriebene Omnipräsenz des N-Wortes in Folge 2 und jetzt diese peinlichen Männergespräche über Sexarbeit.

Enrico: Diese Schattenwandgeschichte mit den anderen Promis sollte witzig sein, aber ich finde es wird eh schon genug unterbrochen und eh schon viel zu selten mit den eigentlichen Gästen ein Gespräch aufgebaut, da hat mich dieses ständige Einwechseln der Best-of-Dschungelcamp-Mannschaft (die einen waren schon drin, die anderen stehen sicher kurz davor) nur genervt. Irgendwelche „lustigen“ Ideen sollen Böhmermann & Co. lieber weiter beim „Neo Magazin Royale“ ausprobieren.

Hiervon zu wenig:

Amina: Frauen. Habe das Gefühl je mehr Frauen am Tisch sitzen desto besser gefällt mir die Sendung. Und Petermann hätte mehr reden können, den fand ich spannend.

Marcel: Die klugen, entwaffnenden Seitenhiebe kommen bisher leider meistens von den Gästen. Sätze wie heute Bauerfeinds süffisantes „Ja, is ne Opfer-Opfer-Situation“ würde ich mir eigentlich von den Moderatoren wünschen.

Enrico: Gesprächsketten. Bitte. Haltet doch einfach mal einen roten Faden.

Überraschung des Abends:

Amina: Oli P.! Mir war nicht bewusst, dass es ihn noch gibt. (Als Teenie fand ich den ja mal ziemlich toll) und die karamellisierten Kartoffeln von Olli Schulz. (Vermutlich weil ich Hunger hatte und dann wieder daran denken musste).

Marcel: In Köln musste früher jeder einmal im Gefängnis sein. Das war ein Muss, sagt Langer Tünn.

Enrico: Hm, keine Ahnung wieso, aber Sibylle hat im Sendungseinspieler am Anfang Kritik an der „Karriere“ von Samuel Koch geübt, in seiner persönlichen Ansage war sie dann aber leider ziemlich zahm. Schade.

Was ich noch loswerden wollte

Amina: Inklusion is a thing. Vielleicht sollte sich Böhmermann mal damit beschäftigen. Gleiches gilt für Schulz und Sexworker-shaming.

Marcel: Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass die Gäste insgesamt drei (!) Mal vorgestellt werden. Ganz zu Beginn im Opener von Sibylle Berg, in der Vorstellungsrunde von Schulz und Böhmermann UND dann nochmal mit einem einzelnen Einspielton. Muss das so viel? Und warum moderiert eigentlich Sibylle Berg nicht?

Enrico: Ich glaube ja nicht, dass Böhmermann Inklusion nicht versteht, sondern einfach von Samuel Koch immer ziemlich direkt und schnell entwaffnet wurde. Mit sowas ist er überfordert – immer. Da will ich jetzt gar nicht zu viel spekulieren, denke aber eben nicht, dass Böhmermann prinzipielle Berührungsängste aufgrund des Rollstuhls hatte. Samuel Koch hat sich einfach wenig Emotionen anmerken lassen.

Gesamtnote

Amina: Insgesamt schlechter als letzte Woche, aber Jan war nicht so überdreht und dadurch war es dann doch etwas entspannter. Besser als eine 3 wird es aber nicht. 

Marcel: Ach, ich weiß nicht. Wieder ’ne 3 ist irgendwie auch langweilig. Dann 4.

Enrico: Komische Gruppe, zu viele Typen, und aus den Querverbindungen (Kripo > Zuhälter) wurde wieder mal zu wenig gemacht. Weniger Nonsense-Ideen wie noch mehr Gäste, dafür vielleicht eine Minibar und mehr Alkohol zur Auswahl. Das beruhigt auch den Jan. Eine 4.

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