
Während auf der Bühne die Zeichen auf Sturm stehen, zeigt sich hier das Schöne der Lage.
Ein Seufzer wäre angebracht… *seufz* (Copyright: Michael Schock)
Matsch, Container, Schiffshupenbass – diese Wörter kommen mir in den Sinn, wenn ich an das Dockville denke. Wie es am kommenden Wochenende wirklich sein wird weiß ich nicht, denn es wird mein erstes Mal sein. Von Michael und Falk und Anderen hörte ich bisher nur gute Dinge, die sich in meiner Fantasie zu hafenkranhohen Erwartungen auftürmten. Aber ist das nicht eh die normale Erregung vor einem Festival? Dieses „Es wird phänomenal!“-Gefühl?
Ich erinnere mich noch gut an meine Aufregung vor dem diesjährigen Immergut Festival – mein erstes Campingfestival überhaupt. Meine bisherigen Festivalbesuche führten mich bisher immer in eine Stadt, sei es Reykjavik oder Hamburg oder Berlin. Nicht weil ich campen nicht mag, es hat sich eben einfach so ergeben. Umso gespannter war ich nun auf das Immergut und wurde ziemlich enttäuscht. Zu wenig Liebe im Detail, zu viel Beschäftigungstherapie für späte Blumenkinder und ein fehlender „Crêpes-mit-drei-Riegeln-Kinderschokolade-drin“-Stand auf dem Campinggelände selbst. Wer an Festivals Kritik übt, hört als Antwort oft die Altersfrage – als ob man nur bis Mitte 20 Spaß auf einem Festival haben könnte. Dass man so locker, wie die Jugend oft gerne wäre, auftreten und trotzdem Spaß für viele Altersklassen bieten kann, zeigte vorletztes Wochenende das „A Summer’s Tale“-Festival, bei dem sich Michael sehr wohl fühlte.
Mir gefiel es bisher am besten in Reykjavik, weil dort die Stadt einen wunderbaren Kontrast zum Trubel und Jubel des Iceland Airwaves Festivals bildete. Am Nachmittag lauschte ich dort neben Familien und Senioren kanadischem Prog-Rock, bevor abends die junge Meute Konzertlocations übernahm, während nicht weit weg in einer Kirche Bläser aufgefahren wurden. Durch die Stadt zur nächsten Location wandern war nie Stress, nie Umweg, sondern immer Befreiung und Verarbeitung. Eine Runde am Hafen drehen, dann auf zum nächsten Erlebnis.
Als das Berlin Festival noch auf dem Flughafengelände Tempelhof stattfand, war dies ebenso was Besonderes. Die riesigen Hallen, der brüchige Beton und am Abend weitziehende Schatten des durch nichts verbauten Sonnenscheins. Der Flughafen war akustisch gesehen nicht die beste Wahl – falls dies wirklich am Ort lag – aber er faszinierte, mehr als das nun bespielte Arenagelände.
Für das Dockville erhoffe ich mir nun das Beste aus beiden Welten. Einerseits die Faszination der Lage, Blicke auf’s Wasser, weite Sicht, wie in Reykjavik. Mit Bässen, die an Containerwänden abprallen. Und andererseits das Ungewisse im Großstädtischen, das aus der Stadt geworfen sein – innerhalb der Stadt. Am Ende lebt ein Festival jedoch vor allem dann, wenn alles zusammenkommt. Gute Menschen, gute Musik, eine gute Zeit – ja, ich bin Dockville-bereit!



