Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Grenzfall
Stadt: Wien und das Waldviertel (Niederösterreich)
ErmittlerInnen: Fellner & Eisner
Austrahlungsdatum: 8. März 2015
tl;dr
Falk: “Es geht um das Loch im Loch.” (Bibi Fellner)
Johanna: Schnaaaaaarch.
Ninia: Wer war jetzt nochmal das Opfer? Und wer die Täterin? Und wo bin ich überhaupt?
Überraschungsmoment
Johanna: Dass ich nicht eingeschlafen bin.
Falk: Ich bekam mittendrin Nasenbluten und hatte zuvor schon nicht mehr ganz verstanden, um was es ging. Ich war dann allerdings ziemlich überrascht, als ich mit trockener Nase plötzlich wieder mitkam.
Ninia: Tja… lasst mich nochmal kurz überlegen… hmmm.
Das hat gefehlt
Falk: Leider so ziemlich alles, was die Wiener Fälle sonst so ausmacht. Witz. Härte. Zusammenspiel der Protagonist_innen.
Johanna: Ich weiß einfach immer noch nicht, worum es eigentlich gegangen ist und wer da jetzt wer war. Mir fehlte definitiv der rote Faden.
Ninia: Was Falk sagt. Oder wie meine Mutter mir im Anschluss schrieb: Was für eine Verschwendung der fantastischen Schauspieler_innen.
Das war zu viel
Falk: Das Klaviergeklimper. Überhaupt, diese Musikuntermalung, ständig!
Johanna: Also ich fand das herrlich! Das hat so überhaupt nicht gepasst und war deshalb irgendwie aufregend. Ein schöner Stilbruch.
Falk: Bei anderen Wiener Fällen hätte ich dir jetzt zugestimmt. Aber hier waren Drehbuch und Regie einfach zu schlampig gemacht, als dass ich das als bewussten Stilbruch durchgehen lassen würde.
Ninia: Das Klaviergeklimper hat mich wahnsinnig gemacht. Als würde der tatort ständig hämisch lachen, weil ich den Fall immer noch nicht verstanden habe.
Lieblingsdialog
Johanna: Nachdem Bibi in den Fluss fiel und klatschnass bei dem Journalisten ist. “Ich bring ihnen was trockenes zum Anziehen und nen kleinen Schnaps zum Aufwärmen” – “Danke, ich bin trocken” – “schaut aber nicht sehr trocken aus…”
Ninia: Den fand ich auch am besten!
Falk: Hmm, joa. Ich mochte den hübschen Archäologen, der ein Fundstück mit einem anzüglichen “Hallllllloooo, Artefakt!” begrüßt. Geht aber nicht als Dialog durch. Überhaupt, Mensch, Wien: Ihr seid doch sonst so gut im Dialoge schreiben, weswegen klappte das denn diesmal nicht?
Lieblingsszene
Johanna: Recht kurz vor Ende, als der Verfassungsschutz ins Spiel gebracht wurde und Bibi, als sie das Wort Verfassungsschutz hört, so schön lacht.
Falk: Immer dann, wenn gar nichts passierte, und man einfach nur diese schöne Bachlandschaft sah, an der ich demnächst mal Urlaub machen möchte.
Fehler
Johanna: Der armen Bibi ein so schlechtes Drehbuch geben. Und das auch noch am Weltfrauentag!
Falk: Es kam ein Journalist vor, der nicht ganz und gar unsympathisch war. Das ist ein Verstoß gegen die ehernen “Tatort”-Grundsätze, die den “Lügenpresse”-Blökern schon lange vor Pegida nach dem Mund redeten.
Ninia: Was Johanna sagt.
Top-Tweet
Johanna:
Nicht spannend genug, um das Twittern zu vergessen. Nicht schlecht genug, um gut drüber twittern zu können. #tatort
— Dennis Horn (@dennishorn) March 8, 2015
Falk:
Man sollte den Tatort eventuell zurück ins Loch im Loch zurück packen und beide Löcher dann zuschaufeln. #Tatort
— Queen Anna (@kleineSchritte) March 8, 2015
Ninia:
Jemand den ich nicht kenne hat aus Gründen, die ich nicht verstehe jemanden umgenietet, den ich nie gesehen habe. Mein #Tatort bis jetzt.
— Jan Hendrik Becker (@beckerjan) 8. März 2015
Bechdel-Test
Falk: Ich war kurz mit blutender Nase draußen, daher kann ich nicht sagen, ob da noch was bestanden wurde.
Johanna: Ich hab keine Ahnung. Aber Gewalt gegen Frauen gab es heute ausnahmsweise mal nicht, oder?
Falk: Nö. Aber Zum Thema Gewalt sagt der Bechdel-Test auch nichts.
Johanna: Du Pingel, ey. Ich wollte es ja nur mal anmerken.
Falk: Tschulligung. Die ganz großartigen ORF-Folgen zeigten übrigens sehr wohl Gewalt gegen Frauen. Die dadurch erträglich wurde, dass Bibi zurückhauen durfte.
Das habe ich gelernt
Falk: In Österreich ist alles voll schönem Jugendstil (Wien) oder atemberaubender Natur (Waldviertel), Tschechien hingegen besteht weitgehend aus Plattenbauten.
Johanna: Schön da. Also die Natur und so. Die Menschen – nun ja.
Ninia: Ich hab zusammen mit einem TV-Team von 3sat geschaut, die pünktlich zur re:publica eine Miniserie zur Netzkultur machen. Unser Thema war: Löst Internet das Fernsehen ab? Ich hab keine Antwort drauf. Ich weiß jetzt nur, dass ich auf keinen Fall Tatort schauen, twittern und nett in Kameras lächeln gleichzeitig kann. Völlige Überforderung.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Falk: Das ist jetzt keine Frage, oder? Ich wünsche mir, dass die ORF-Krimis wieder werden, wie sie mal waren.
Johanna: Wieder so ne knallharte Bibi wie sonst. Die fällt nicht in den Fluss, der Fluss weicht ihr aus. Badabäm.
Falk: Ich möchte mir jetzt aber auch nicht vorstellen, wie Bibi ins trockene Flussbett fällt. Oder habe ich jetzt das Bild überspannt?
Ninia: Ja, bitte wieder Wiener Tatorte wie früher. Und kein Möchte-gern-Klamauk oder unsinnige Fälle.
Was ich auch noch loswerden wollte
Falk: Wir müssen reden: Könnte es sein, dass unser Wohlwollen gegenüber den Österreichern auf einem Missverständnis beruht? Das waren jetzt drei ORF-Krimis in Folge, die nicht so dolle waren – wieviele wirklich gute stehen denen denn gegenüber?
Johanna: Du hast ja recht. Bisher haben wir uns immer von Bibi blenden lassen. Damit ist jetzt Schluss. (Alleine wie oft wir “Bibi” in diesem Kriminalsofa geschrieben haben – das ist schon echt krank…)
Ninia: Ok. Ab jetzt knallharte Beurteilungen!
Gesamtnote
Johanna: Ich gebe dem Wiener Tatort ob der Bibi ja regelmäßig viel zu gute Noten. Aber heute gab es ja nicht mal wirklich Wien, und der Tatort war einfach viel zu anstrengend. Also anstrengend langweilig. Ich bin müde und gebe eine 5.
Falk: Ja, der Sympathiebonus ist bei mir mittlerweile auch aufgebraucht. Eine 5 gibt es von mir aber nur für ganz üblen, reaktionären, uninspirierten Kram aus Münster und Hamburg, es muss auch noch Luft nach unten bleiben. Also: 4-5.
Ninia: Ich kann fast keine Note geben, weil ich fast nix mitbekommen habe. Habe aber zwischendurch gemerkt, dass es nicht nur mir so geht, sondern auch denen, die aufmerksam waren. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich eine 4 geben.



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