Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Der irre Iwan
Stadt: Weimar
ErmittlerInnen: Lessing und Dorn
Austrahlungsdatum: 01. Januar 2014
tl;dr
Ninia: Ich hab keine Ahnung, wie ich das zusammenfassen soll. Aber es war lustig.
Johanna: Mord. Nuschel. Nuschel. Rummel. Nuschel. Brüste. Nuschel. Zwillinge. Nuschel. Auto. Nuschel. Penis. Nuschel. Geisterbahn. Nuschel. Nuschel. Nuschel. Ende.
Falk: Nicht nur Brüste, auch deutlich mehr baumelnde Schwänze als sonst im Tatort. Ich find’ das ja gut.
Überraschungsmoment
Ninia: Als die Leiche plötzlich wieder zum Leben erwachte und dann flüchtig war. Tiptop.
Falk: Toll. Just bei dieser Szene war ich auf der Toilette, und als ich wiederkam, verstand ich rein gar nichts mehr.
Johanna: Und als dann die Gerichtsmedizinerin etwas von einer flüchtigen Leiche in ihr Aufnahmegerät sprach. Ganz groß.
Das hat gefehlt
Ninia: Ein bisschen mehr Spannung. Auch, wenn ich Szenen sehr lustig fand und eh auf diesen kuriosen Scheiß stehe: Ein bisschen Dahingeplätschere war das schon.
Falk: Ach, Ninia, ich unterschreibe eigentlich alles, was du sagst. Nur auf diesen kuriosen Scheiß stehe ich leider gar nicht.
Johanna: Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas von guter Musik schreiben, aber dann haben da “Element of Crime” live im Tatort gespielt und alles war vergessen.
Falk: Auf eine sadomasochistische Weise habe ich ja einen leichten Crush für Element of Crime.
Das war zuviel
Falk: Als Sophie Rois das Hühnchen ausnimmt.
Ninia: Handlungsstränge.
Johanna: Manöver. Um es genau zu sagen: Irrer Iwan. Das ist ja eigentlich so ein U-Boot-Manöver-Dingens.
Ninia: Die Johanna weiß immer viel mehr als ich.
Falk: Nicht nur, dass ich den Krimi nicht verstanden habe, ich verstehe auch nicht, was Johanna da gerade erzählt.
Johanna: Bitte.
Lieblingsdialog
Ninia: “Finden Sie, er riecht nach Pilzen?” “Also für mich riecht er nach Leiche.”
Johanna: „Ich geh mich nur kurz frischmachen!“ – „Aber nur ganz kurz!“ – „…und ganz frisch!“
Falk: “Nach 21 Jahren Ehe wird das Körperliche schon ein wenig überschätzt.” “Naja, dann schauen wir halt Fernsehen.”
Ninia: Daraufhin sagte der Mann aufm Sofa übrigens: “Ach guck, wie wir.”
Falk: 21, echt jetzt?
Ninia: 6,5. Wir arbeiten dran.
Lieblingsszene
Ninia: Sophie Rois in allen Szenen.
Falk: Und nochmal: Als Sophie Rois das Hühnchen ausnimmt.
Johanna: Das war recht früh, als Nora Tschirner dem Body-Typen auf dem pseudo-ästhetischen schwarz-weiß-Poster mit dem Finger in den Bauchnabel gedrückt hat.
Fehler
Ninia: Es gab sicher welche, aber weil alles so zugepackt und verwirrend war, waren sie gut versteckt. Und so viele, dass ich keinen einzigen benennen kann.
Falk: War der gesamte Film nicht etwa ein einziger Fehler?
Johanna: Wenn Fehler immer so witzig sind – mehr davon!
Top-Tweet
Ninia:
Infotweet: Das Kind ist bei Dorns Mutter!!! Auf der Rückbank sitzt eine Wüstenspringmaus!!!! #Tatort
— Tatort-Blog (@tatortblog) 1. Januar 2015
Johanna:
wie ist der tatort so? ich darf ihn nicht sehen. pic.twitter.com/ycdketIPqq
— katjaberlin (@katjaberlin) January 1, 2015
Falk:
Genialer Sendetermin dieses #Tatort: Beim Zuschauer bleibt ein Restzweifel, ob's nicht vielleicht doch am Kater liegt. Statt am Drehbuch.
— Nicole Diekmann (@nicolediekmann) January 1, 2015
Bechdel-Test
Falk: Leider nicht bestanden. Tja.
Johanna: Doch, oder?
Ninia: Eher nicht. Dorn war da. Aber bei den anderen Damen ging es nur um die Typen, oder?
Falk: Wegen der ganzen Themenstrangverwirrung ging es ja immer um die Typen, auch wenn es eigentlich an der jeweiligen Stelle um was ganz anderes ging.
Das habe ich gelernt
Ninia: Rummel ist genau so cool, wie ich mir das als Kind immer vorgestellt habe.
Johanna: Ich bin eine Tanne. Herb und Kühl. Ob ich deshalb ein Tannenzäpfle so gut zu schätzen weiß? (Keltisches Horoskop!). Und: Diesen gelben retro-instagram-analogfilm-Filter gab es auch beim unfassbar guten Tukur-Tatort, den Ninia und ich so gefeiert haben. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Falk: Ich sollte nicht während des Tatort-Schauens einen ganzen Liter Orangensaft trinken. Das sorgt dafür, dass ich kurz raus muss, und dann verpasse ich die Schlüsselszene.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Hier finde ich den Beziehungskram der Ermittler_innen erträglich. Beim nächsten Mal könnte es aber ein bisschen weniger Verwirrung und gewollte Schenkelklopfer sein und dafür mehr Story. Dann ist der Weimarer Tatort immer noch gut.
Falk: Ach, die haben eine Beziehung? Nee, war nur Spaß. Aber mal ehrlich: Ich nehme weder Tschirner noch Ulmen irgendwas ab, weder dass die bei der Polizei sind, noch dass der Krimi in Weimar spielt noch diese eigenartig verkrampfte Beziehung.
Johanna: Gerne wieder genauso. Vielleicht kann auch Schotty noch mitspielen? Das würde dem ganzen Klamauk die Krone aufsetzen.
Was ich auch noch loswerden wollte
Johanna: Das mit “Aufschrei” fand ich so eher gemischt. Ich bin nicht sicher, wie das jetzt gemeint war und ob das jetzt gut war.
Ninia: Ja, das habe ich auch so empfunden. Dachte kurz: “Oh, bitte.” Aber die Timeline nahm’s ganz gut auf.
Falk: Ich fands doof. Typen, die auf die Brust einer Kollegin starren und dabei anzüglich grinsen, sind kein Gag, sondern scheiße. Das kam so nicht rüber, stattdessen wurde das #Aufschrei-Thema abgewertet.
Ninia: Ja, genau das war es, was ich gedacht habe. Danke, Falk!
Falk: Typen, die Frauen erklären, wenn etwas frauenfeindlich ist, sind aber noch viel mehr scheiße.
Ninia: Du hast nur aufgeschrieben, wofür ich auf die schnelle keine kurzen Worte gefunden habe.
Gesamtnote
Ninia: Ich hab an vielen Stellen gelacht. Andere wiederum fand ich schwierig (#aufschrei, die Nutzung von behindertenfeindlichen Worten als Beleidigung). Ich fand die Story way to krude, andererseits sollte das wohl so sein und ich mag so übertriebenen Kram lieber als langweiligen Blödsinn aus Leipzig oder so. Ich gebe eine glatte 2.
Johanna: Genau der richtigen Tatort für einen verkaterten Neujahrstag. Ich habe zwar wahrscheinlich weniger als die Hälfte von der Story mitbekommen, aber was solls, ich hab viel über klamaukige Dialoge und schlechte Reime gelacht. Das mit der Nuschelei muss allerdings aufhören, das ist zu anstrengend. Ich gebe eine 1-.
Falk: Eigentlich mag ich klamaukigen Tatort nicht, Tatort soll dunkel und blutig sein. Allerdings muss ich hier schon anerkennen, dass da ein ganz guter Wille zum höheren Blödsinn da war, außerdem schätze ich es, wenn ich so über den Tisch gezogen werde, dass ich nicht mehr weiß, wo hinten und vorne ist. Ich bin also hin- und hergerissen und gebe eine 3.



Ich sehe nie Tatort, weil ich erfahrungsgemäß nach spätestens 10 Minuten schlafe. Diesmal wollte ich, war aber silvesterbedingt restmüde. Was soll ich sagen? Es war toll. Absurd, meine ich. Völlig überzogen. Total bescheuert. Und auch ohne auf dem Klo gewesen zu sein, brauchte ich eine ganze Weile, um die Leichenfluchtszene zu kapieren. Fazit: In Weimar stirbt man spektakulärer und als jemand anders.
„Nach 21 Jahren Ehe wird das Körperliche schon ein wenig überschätzt.” “Naja, dann schauen wir halt Fernsehen“.
„21 Jahre“?! Als die diesen Dialog geschrieben haben, gab’s wohl noch keine Streaming-Dienste mit drölftausend Serien im Programm, hihi.
Ich weiß zwar immer noch nicht, was das keltische Horoskop über mich aussagt, aber dafür weiß ich, dass Peggy Schuhschnabel aus Lüdenscheid kommt. [To whoever it may concern.]
Ich hatte das keltische Horoskop für eine spontane Erfindung gehalten. Weit gefehlt, nun weiß ich, dass ich ein Apfelbäumchen bin.
„Menschen, die im Zeichen des Apfelbaums geboren sind, glauben an das Gute im
Menschen und haben eine leuchtende Seele. Sie lieben die Harmonie und können
in der richtigen Umgebung zu einem charismatischen Menschen reifen, der zwischen den anderen Bäumen immer positiv hervorsticht. Die Liebenswürdigkeit
des Apfelbaum-Menschen wird in dieser unpersönlichen Welt immer mehr zurückgedrängt.“