
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Paradies
Stadt: Wien (beziehungsweise, nein, eigentlich die trostlos ländliche Umgebung von Graz)
ErmittlerInnen: Fellner & Eisner
Austrahlungsdatum: 31. August 2014
tl;dr
Ninia: Eine Rentner-Gangster-Gang, eine Menge Crystal und zu viel Schmarrn.
Falk: Alte Leute sind gefährlich, die haben nichts zu verlieren.
Überraschungsmoment
Ninia: Das Schauspieltalent der Frau Ransmayr. Eieiei.
Falk: Willkommen zurück übrigens, Ninia. Ja, nun. Ich war ein wenig überrascht, dass es überhaupt keinen echten Ärger gab, als sich unsere Wiener Superbullen den Grazer Kollegen offenbart haben.
Ninia: Danke! Ich hab im Urlaub übrigens einen der besten Tatorte ever gesehen, in der Mediathek: “Borowski und der stille Gast”, aus Kiel mit einem wahnsinnig guten Lars Eidinger.
Falk: Du schaust in Kanada Kieler Tatorte? Respekt. (“Der stille Gast” ist aber wirklich toll.)
Ninia: Nach den ganzen Eindrücken musste abends mal was Ruhiges sein. Außerdem: Du kriegst den Tatort nie ganz aus der Ninia.
Das hat gefehlt
Ninia: Pepp.
Falk: Bösartigkeit, Härte, Originalität. Überhaupt alles, was die österreichischen Tatorte immer ausmachte.
Das war zu viel
Ninia: Das mit dem Crystal.
Falk: Die ständigen “Breaking Bad”-Bezüge, das kam so rüber wie: “Wir sind zwar nur der ORF, aber wir wissen auch, was gerade voll cooles, relevantes Fernsehen ist.”
Ninia: Und selbst damit sind sie jetzt auch ein Jahr zu spät…
Lieblingsdialog
Ninia: Lieblingssatz: “Manchmal weiß ich nicht, ob das Leben nüchtern wirklich einfacher zu ertragen ist als besoffen.” Lieblingsdialog:
"Wie bei Breaking Bad"
"Was ist das?"
"US Serie"
"Ich schau nur Ski-Rennen"
#tatort
— Jan Frederik Wienken (@jan_wienken) 31. August 2014
Falk: “Wir haben das alles nicht gewusst!” – “Tja. Niemand hat irgendwas gewusst, aber jetzt sind drei Menschen tot. Schon eigenartig: Es gibt immer wieder Zeiten, in denen überhaupt niemand was gewusst hat.”
Lieblingsszene
Ninia: Die Szene im Hotel an der Rezeption – herrlich dusselig mit dem Mädchen mit Zahnspange.
Falk: Ja, stimmt, die war wirklich gut. Mir gefällt außerdem immer der Umgang zwischen Fellner und Eisner, das hat so eine Grundcoolness, wie man sie im TV-formatierten Männer-Frauen-Verhältnis nur selten findet.
Dabei habe ich Gänsehaut bekommen
Ninia: Natürlich als der Alte gesprungen ist. Das musste irgendwie nicht sein.
Falk: Naja, aber für Gänsehaut brauchts schon noch ein bisschen mehr.
Fehler
Falk: Wie weit liegen eigentlich Altersheim, Flughafen und Ransmayr-Fabrik voneinander entfernt? Beziehungsweise: Wie schaffte es der alter Ransmayr in den letzten zehn Minuten, diese Strecken zurückzulegen?
Ninia: Ach, immer diese Ermittlungen auf eigene, geheime Faust.
Top-Tweet
Falk:
Der #tatort aus Graz – so wertvoll wie ein kleiner Marillenknödel.
— Therese Meitinger (@Unterhaslberger) August 31, 2014
Ninia:
Der fünfjährige Bruder meiner Freundin läuft durch die Wohnung und ruft "Juhu, endlich wieder tote Menschen!"
#Tatort
— Sebastian Hahn (@PoesieSeb) 31. August 2014
Bechdel-Test
Ninia: Bestanden.
Falk: Hab’ ich nicht drauf geachtet. Doch, natürlich: Fellner – Heimleiterin, Fellner – Ransmeiertochter. Glückwunsch.
Ninia: Die Seniorin im Heim und die Heimleiterin waren auch noch am Start.
Falk: Die Funktion der Seniorin im Heim habe ich überhaupt nicht verstanden.
Das habe ich gelernt
Ninia:
Natürlich. Die wahre Gefahr der Invasion durch Crystal lauert in der Steiermark. Im Altersheim. #tatort
— Ninia LaGrande (@NiniaLaGrande) 31. August 2014
Falk: Wollen wir diese “Das habe ich gelernt”-Rubrik nicht langsam weglassen? Ich lerne eigentlich nie was beim Tatort, und dann fühle ich mich immer so ignorant.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Wieder was Spannendes. Und wieder Wien. Danke.
Falk: Nacktszenen! (Entschuldigung. Hust.)
Ninia: Das ist ok, Falk, jede_r braucht mal Nacktszenen.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia: Bibi kann kaum was falsch machen, aber das war heute leider ein eher lauer Einstieg in die neue Saison.
Falk: Ich möchte noch anmerken, dass die Inszenierung hübsch theaterartig war. Aber, ach, weswegen denn nur? Zu welchem Ziel? Function follows form oder so.
Gesamtnote
Ninia: Ich brauche noch Platz nach oben für die kommenden Wochen: 3-. Mit Liebeserklärung an Bibi.
Falk: Da gehe ich eigentlich mit, und dass ich was anderes sage, liegt nur daran, weil ich mich abheben möchte. Also: 3.


Eine schöne Zusammenfassung, in der ich jetzt auch noch lesen kann, dass es drei Tote gab – ich bin leider um ca. 21.17h (kurz nach dem ersten spannenden Moment) eingeschlafen…
Tatsächlich gab es sogar vier Tote: den ersten Rentner-Drogenkurier (starb zwei Wochen vor Filmbeginn), dann den alten Fellner, den fiesen Ransmayr-Enkel und schließlich den alten Ransmayr selbst. Bibis Vater starb aber eines natürlichen Todes, der zählt also wahrscheinlich nicht zum Bodycount. Bleiben drei.
Was hab ich “mein“ Krimi-Sofa vrmisst! Schön, dass Ihr wieder da seid! <3