Die Migranten, die Hipster, die Normdeutschen. (Foto: Falk Schreiber)

Planten un Blomen, das ist als Park so unspektakulär wie als Name. „Planten un Blomen“ heißt auf Norddeutsch „Pflanzen und Blumen“, und der Park im Hamburger Zentrum bietet: Pflanzen und Blumen. Fertig. Außerdem liebe ich diesen Park.

Planten un Blomen erstreckt sich als langgezogene Grünanlage vom immer noch halbwegs abgefuckt-alternativen St. Pauli bis zum sehr, sehr bürgerlichen Rotherbaum, und gerade diese geographische Lage macht den Park so liebenswert. Weil sich in Planten un Blomen einfach alle treffen: die Mütter. Die Schwulen. Die Großfamilien. Die Migranten, die Hipster, die Normdeutschen. Liegen auf den mehr oder weniger gepflegten Wiesen, spielen Fußball, schlecken Eis. Einer liest, zwei klönen, da hinten weint ein Kind. Und um 22 Uhr zieht es alle zum Parksee, weil dort die Wasserlichtorgel „Pomp and Circumstance“ spielt, ein Schwachsinn, ein ganz großer Spaß, Sektflaschen ploppen, Joints machen die Runde, viele knutschen, ein bulliger Rastatyp hat seine Hand auf der Brust seiner Freundin, zehn Sekunden, zwanzig Sekunden, und als er sie wegnimmt, kuckt sie beleidigt, dann schnappt sie sie sich und legt sie wieder dorthin, wo sie hingehört.

In Planten un Blomen hat man den Eindruck, dass das funktionieren könnte, das Zusammenleben, das Prinzip Stadt. Man glaubt, dass sie sich alle irgendwie arrangieren, die unterschiedlichen Gruppen, dass sie alle bleiben wie sie sind, dass sie ihre Interessen wahren, aber dass sie trotzdem miteinander auskommen, nebeneinander, glücklich in der Sommersonne. Und wenn die einen den Fußball an den Schädel bekommen, sagen die anderen „Tschuldigung“, und die einen antworten „Schon okay“.

Ich mag solche Tage, im Park. Ich mag den Park in seinem unspektakulären Charakter, mir ist zum Heulen, wenn ich die Eventmanagertypen höre, die behaupten, einen Park wie Planten un Blomen wolle niemand mehr, die Leute wollten Eventflächen, Sportparks, Funfunfun. Dabei wollen die Leute nur das: ein wenig Grün, ein wenig Sonne und ein wenig altbackene Zerstreuung, eine Wasserlichtorgel. Die Leute wollen Planten un Blomen, ich nehme einen Schluck Sekt direkt aus der Flasche, dann knutsche ich kurz, und dann schlucke ich meine Tränen runter.