Mit Wasserflasche gäbe man sich als Touri zu erkennen, sagt er in der Bahn. Weil nur Touristen so lange durch die Stadt laufen, dass sie Wasserflaschen bräuchten. Mag sein, denke ich. Aber woran ich Touris erkenne, ist die Unfähigkeit, die Situation einzuschätzen. Am fehlenden Bauchgefühl für die Stadt. Wo man sein Fahrrad abstellen kann und wo lieber nicht. In welchen Kneipen man ins Bild passt und in welchen nicht. Was ein gutes, günstiges Essen ist und was Abzocke. Wo man sich besser vorsichtig zu verhalten hat.

In Berlin bin ich kein Touri, hätte ich vor kurzem noch behauptet. Dann habe ich Samstag Nacht am Kottbusser Tor, mitten im Rummel der U-Bahn-Station, mein Handy aus der Handtasche gezogen, um nach dem richtigen Ausgang zu suchen. Und sie offen gelassen. Beim Weitergehen war sie plötzlich so leicht.

Eine Minute Unachtsamkeit, bäm, Geldbörse weg.

Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: Der monetäre Verlust, der Nervkram von Karten sperren und Ausweise sowie Führerschein nachmachen lassen – oder doch die schlichte Erkenntnis, dass ich in Berlin vielleicht doch ein Touri bin.

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