Nachdem ich meinen Schrank ausgemistet hatte, habe ich einige der Klamotten Katharina mitgebracht. Sie macht einen Selbstversuch: ein Jahr lang keine neue Kleidung kaufen. Ihre Freundinnen, inklusive mir, haben alle schreckliches Mitleid und bringen ihr deshalb immer wieder ausgemistete oder vermeintlich falsch gekaufte Kleidung mit. Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsreihe habe ich Katharina zu ihrem persönlichen Projekt interviewt.
Katharina, du hast dir vorgenommen, ein Jahr keine Kleidung zu kaufen. Warum machst du das?
Am Anfang wurde es einfach mein Vorsatz fürs neue Jahr, weil mein Kleiderschrank zu voll war. Inzwischen gibt es aber weitere Gründe, um diese Idee ein Jahr lang durchzuziehen, wie zum Beispiel die Vorstellung, dass durchs Tauschen, auf Tauschmärkten, im Internet oder mit Freunden, Kleidungsstücke länger in einem gewissen „Kreislauf“ bleiben und dadurch immer wieder neu wertgeschätzt werden. Ein weiterer schöner Nebeneffekt – wahrscheinlich sogar der wichtigste – ist, dass ich so auch keine neue Kleidung mehr kaufe, die unter unfairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde.
Und wie lebt es sich mit der Aktion? Hast du noch den Willen zum Durchhalten?
Auf jeden Fall! Ich bin selber überrascht, wie schnell man es sich abgewöhnen kann, in Läden zu gehen und nach potenziellen neuen Kleidungsstücken Ausschau zu halten. Im Schlussverkauf sind die ganzen Rabatt-Ankündigungen natürlich verlockend, aber man ignoriert das alles relativ schnell. Am einfachsten ist es natürlich, gar nicht erst auf irgendwelche Einkaufsmeilen zu gehen :-).
Wie reagiert dein Umfeld auf die Idee?
Eigentlich durchweg positiv. Die häufigsten Reaktionen sind jedoch ziemlich gegensätzlich: Entweder heißt es „Oh, das sollte ich auch mal machen.“ oder „So etwas würde für mich nie in Frage kommen.“ Aber ablehnend war bis jetzt keiner – warum auch?
Du bekommst inzwischen viel Kleidung von Freundinnen geschenkt – freust du dich darüber oder willst du lieber auch nicht zu viel haben?
Natürlich freue ich mich darüber, wenn ich Kleidung angeboten bekomme, vor allem von Leuten, deren Stil ich sehr mag. Ich versuche aber trotzdem, nur das anzunehmen, was ich wirklich gerne tragen möchte, und nicht einfach alles, was mir passt, nur weil es umsonst ist. Außerdem steht ja die Verkleinerung meiner Garderobe irgendwie doch im Vordergrund.
“Bei Schuhen würde ich eine Ausnahme machen.”
Machst du auch Ausnahmen, zum Beispiel, wenn ein wichtiges Kleidungsstück kaputt geht?
Ich würde bei Schuhen eine Ausnahme machen, aber zunächst versuchen, sie reparieren zu lassen. Wenn ich dann wirklich neue kaufen würde, müsste ich dafür aber alte aussortieren und weitergeben. Sonst fällt mir kein Kleidungsstück ein, das so wichtig ist, dass ich nicht ein Jahr ohne auskommen könnte.
Was passiert nach dem Jahr? Willst du dann aufhören und erst einmal shoppen gehen oder lieber weitermachen?
Zurzeit würde ich gerne so weitermachen. Shoppen als „Belohnung“ – was ja der Fall wäre, wenn ich direkt im nächsten Januar die Läden stürme – ist nämlich auch etwas, was ich mir dringend abgewöhnen will, genauso wie Shoppen als Trost, Push fürs Selbstbewusstsein, usw..
Kein Rieseneinkauf bei Ikea mehr!
Willst du zukünftig auch bei anderen Sachen mehr auf die Nachhaltigkeit deines Konsums achten? Oder machst du das vielleicht eh schon?
Generell kaufe ich schon viele Gebrauchsgegenstände auf dem Flohmarkt oder in Second-Hand-Läden – oder übernehme sie von Verwandten, die sie aussortiert haben. Einen Rieseneinkauf bei IKEA zu machen, um eine neue Wohnung einzurichten, kann ich mir nicht mehr vorstellen. Dazu gibt es zu viele schöne Sachen, die sonst auf dem Sperrmüll landen würden.
Bei Lebensmitteln bin ich leider noch nicht so konsequent, z.B. was die Produktionsbedingungen angeht, das ist dann der nächste Schritt!
Dein wichtigster Tipp für alle, die so eine Aktion auch mal ausprobieren wollen:
Konsequent zu bleiben, kann schwer sein, aber lernt eure alte Kleidung wieder schätzen, erinnert euch daran, was ihr schon alles zusammen erlebt hat. Kleidungsstücke mit Erinnerungswert sind doch die schönsten und zu schade, um nicht getragen zu werden bis sie auseinanderfallen. Und wenn ihr trotzdem „neue“ Klamotten bekommen wollt, erzählt auf jeden Fall allen Leuten von eurer Aktion.


