
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Der Hammer
Stadt: Münster
ErmittlerInnen: Thiel & Boerne
Austrahlungsdatum: 13. April 2014
tl;dr
Johanna: 90 Minuten Klamauk.
Ninia: Säure-Pistolen, ein Täter im Lacross-Kostüm mit Strumpfmaske und andere spaßige Dinge.
Falk: Und Wutbürger.
Überraschungsmoment
Johanna: Helene Fischer hüpfte nicht aus einer Torte.
Ninia: Joints spült man am besten mit Bier runter.
Falk: Öh, ja. Nicht, dass ich mich da auskennen würde, aber: Wenn man einen brennenden Joint schluckt, dann ist das doch gesundheitsgefährdend, oder? Das geht doch nicht so locker? Und weswegen macht Vaddern das überhaupt? Sein Sohn weiß doch über dessen Rauchvorlieben Bescheid?
Das hat gefehlt
Johanna: Ernsthaftigkeit.
Ninia: Ein bisschen Logik. Kein Tatort ist jemals logisch, ich weiß, aber hier war’s echt zu viel (trotz Suspendierung weiter arbeiten, Landrat darf sich einmischen, pipapo).
Falk: Ich dachte nicht, dass ich das je sagen würde, aber: Das war Münster! Logik ist da doch die ganz verkehrte Rangehensweise!
Das war zu viel
Johanna: Klamauk.
Falk: Na, Johanna, das war aber auch schonmal schlimmer. Wie meistens: Ich fand die Szenen mit Vadder Thiel drüber.
Johanna: Ich korrigiere: Schlechter Klamauk. Klamauk kann ja auch gut sein. Nur in Münster nicht.
Ninia: Ich stimme ausnahmsweise Falk zu. Den Klamauk fand ich auch schon schlimmer. Die Vater-Szenen waren zu viel und kam nur so rüber, als müsste er unbedingt noch eingebaut werden.
Lieblingsdialog
Ninia: “Mit Nachrichten drin – Politik und Wirtschaft?” “Das ist für eine Zeitung durchaus üblich, ja.”
Falk: “Das hier ist immer noch ein Tatort und kein Spielplatz für unterforderte Mittelstandsakademiker.” Doch, genau das ist es!
Johanna: “Herr Ober, ein Käffchen bitte” – […] – “…So trägt jeder sein Erbe – ich das Jackett meine Großvaters, sie die untersetzte Figur des ihren”
Lieblingsszene
Falk: Ganz zu Beginn: Die erste Leiche stürzt auf die Straße, der Stadtbus legt eine Vollbremsung hin und kommt kurz vor dem Toten zum Stehen. Nur damit der Tote wenige Sekunden später von betrunkener Dorfjugend im tiefergelegten Spießerauto überrollt wird.
Ninia: Das Napoleon-Porträt von Frank Zander.
Johanna: Mhm. Ähm. Ja. Ich überlege. Als sich Thiel in seinem St. Pauli Shirt ins Bett gelegt hat. Oh, und als Thiel mit seinem Gürtel an der Türklinke hängenblieb. Ich kenne das.
Ninia: Johanna <3.
Dabei habe ich Gänsehaut bekommen
Johanna: Bei Falks Lieblingsszene.
Ninia Dito. Und als Milan Peschel doch abgestürzt ist (obwohl ich das für den Abschluss der Geschichte irgendwie passend fand).
Falk: Toll, ich bin jetzt hier die Splatter-Hartwurst, oder was? Gänsehautszenen hatte der Krimi meiner Meinung nach kaum, fand ich. Was nicht unbedingt gegen ihn spricht.
Top-Tweet
Ninia:
Es gibt nie Zeitungsartikel mit einem Foto des Ermittlers der Kripo. Nur im #tatort
— Jochen W. Winkler (@jochenwwinkler) April 13, 2014
Johanna:
Weiter warten auf den #Tatort, in dem der “suspendierte” Kommissar einfach mal heimgeht und die Beine hochlegt.
— SPIEGEL Kultur (@SPIEGEL_Kultur) April 13, 2014
Falk:
Tauscht man den puff mit drogen hat man die Story von batman begins
#tatort
— Emilia♡ (@GingerGirlHD) April 13, 2014
Bechdel-Test
Falk: Ich würde sagen bestanden. Staatsanwältin und Nadeshda sprachen über den Fall, oder?
Johanna: Für ein Veto bin ich noch zu sehr in Schockstarre.
Ninia: Ich sage auch: Bestanden. Auch wenn es immer noch viel zu kritisieren gibt. Die Frauen dürfen nämlich immer nur “Arbeit fortführen” oder “zuarbeiten” oder “lustig rauchen”.
Das habe ich gelernt
Ninia: Chemiker_innen machen immer verrückte Dinge, wenn der Verstand mit ihnen durchgeht.
Falk: “Münster, Stadt der trostlosen Neubausiedlungen” wäre doch mal ein cooler Spruch fürs Stadtmarketing.
Johanna: Ein Hammer ist noch keine Garantie für einen Hammer(-Tatort).
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Falk: Ich wünsche vor allem Milan Peschel, dass er ein einziges Mal eine andere Rolle spielen darf als die des abgestürzten und durch alle Netze gefallenen Familienvaters.
Ninia: Mehr von Nadeshda, die hat dieses Mal wirklich wenig sagen dürfen und das ist ganz und gar nicht gut.
Johanna: Dabei durften wir dieses Mal sogar ihren Nachnamen erfahren. Kannte ich nicht.
Falk: Krusenstern. Hier im Hafen liegt manchmal ein russisches Militärschiff, das so heißt, anscheinend ist das ein historischer Bezug. Wenn die “Krusenstern” im Hafen ist, sieht man übrigens immer sehr junge Kadetten durch meine Nachbarschaft flanieren, in schmucken Uniformen.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia: Thiels Mantel war schön. An sich mag ich dieses Team ja eigentlich sehr und hab immer nur Angst vor zu viel Klamauk. Besser als viele andere Tatorte sind sie aber allemal.
Johanna: Das mit den Schweinsköpfen fand ich doof – ob echt oder nicht. So. Immer diese Vegetarierinnen, alle humorlose Spielverderberinnen.
Falk: Ja, aber hätte Börne Leichen aus der Gerichtsmedizin nehmen sollen? DAS wäre Klamauk gewesen.
Gesamtnote
Ninia: Ich befürchte, ich bin heute allein auf weiter Flur, aber das war für mich besser als erwartet. Einige Male habe ich mich vor mir selbst erschrocken, weil ich lachen musste. Und der Fall war auch nicht kurioser als andere. Ich fühlte mich unterhalten und gebe eine 2 minus. Das Minus gibt’s wegen des Vaters und der Logik.
Johanna: Ich wollte bestimmt zehn Mal umschalten, deshalb gebe ich eine 5. Außerdem hat Thiel “Scheiß Vieh” zu einer Katze gesagt – das gibt aus Gründen Punktabzug.
Falk: Spiegel Online stellte den “Hammer” in eine Liga mit Filmen der Coen-Brüder. Das ist fies, da kann der Tatort ja nur verlieren. Aber alles in allem nahm der Film seine Figuren schon halbwegs ernst. Und von Münster erwarte ich eigentlich immer nur Desaster, wenn es also nicht ganz schlimm wird, bin ich schnell versöhnt. 2-3.


4 Kommentare
Fräulein Julia says:
Apr 14, 2014
Eine schöne Besprechung!
Habe mich gestern auch ca. zweimal dabei erwischt, wie ich lachen musste. Passiert bei Münster sonst eher selten.
Rolf Rolf says:
Apr 14, 2014
Ach das war doch gar nix: Story nicht gut genug für einen spanneden, Klamauk nicht lustig genug für einen abgefahrenen tatort.
Dialoge, Schauspiel, Dramatik, Logik, Look – alles nicht gut.
Ich glaube, die Münster-tatorts haben sich überlebt.
Name says:
Apr 18, 2014
ähm. Damit ich den Satz jetzt nicht mit: ich will ja nicht klugscheißen, aber… anfangen muss, als Frage umformuliert: müsste das Ermittlerteam nicht “Thiel und Krusenstern” heißen? (Boerne ist doch “nur” der Pathologe.)
Falk Schreiber says:
Apr 18, 2014
Das stimmt wohl – wenn man das eigentliche Kriminalistenteam als Maßstab nimmt. Wir gehen eher filmimmanent ran, und da sind Thiel und Boerne eben das Team, das Münster repräsentiert. Man könnte sich vorstellen: Falls Friederike Kempter aufhören möchte, dann spräche nichts dagegen, die Krimis mit einer anderen Co-Kommissarin weiterzudrehen. Falls aber Jan Josef Liefers oder Axel Prahl nicht mehr mitspielen würden, dann wäre das das Ende für die Münsteraner Krimis.