
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Kopfgeld
Stadt: Hamburg
ErmittlerInnen: Tschiller und Gümer
Austrahlungsdatum: 09. März 2014
tl;dr
Ninia:
SchauspielerInnen: Till Schweiger. Requisite: Till Schweiger. Maske: Till Schweiger. Musik: Till Schweiger. Regie: Till Schweiger. #tatort
— ihf (@ihf_a) 9. März 2014
Falk: Clankriminalität. Drogen. Gewalt.
Johanna: Tschillers Po. Peng. Tschillers Po. Peng. Tschillers Po. Peng.
Überraschungsmoment
Ninia: Als ich irgendwann zwischendurch kurz etwas verstand. Und ich meine nicht die Nuschelei, sondern die Logik.
Johanna: Til Schweigers Tochter hat jetzt so richtig blonde Haare. Aufregend.
Falk: Als der fiese Rechtsanwalt von den eigenen Leuten erschossen wird. Wobei, das hat wohl alle Beteiligten überrascht. Inklusive des Drehbuchautoren.
Das hat gefehlt
Ninia: ÜbersetzerInnen, Spezialgebiet: Nuscheln.
Johanna: Eine Story, die sich nicht nur um Tschiller dreht.
Falk: Zumindest in Ansätzen Logik.
Das war zu viel
Johanna: Nuschelei. Und “Fick dich” mal wieder, aber zu Tschiller würde ich das wohl auch sagen. Mit der “modernen” Sprache haben sie es auch mal wieder übertrieben.
“wie talkst du eigentlich mit mir?” – äh, #tatort, wie talkst du denn mit mir?!
— Johanna Emge (@bommeljogi) March 9, 2014
Ninia: Tote. Gewalt. Gewaltvolle Sprache. Kinder, die Knarren in der Hand halten.
Falk: Alles. Aber das ist natürlich das Tschiller-Konzept: Bigger than life.
Lieblingsdialog
Falk: “Was hastn mit deinen Haaren gemacht?” “Frisör.” (Nee, ernsthaft, das war schon mit am lustigsten.)
Ninia: Ja, das fand ich auch lustig! Ich fand sehr vieles sehr lustig, auch wenn das meiste nicht so gemeint war.
Johanna: Das steht symbolisch für die meisten Dialoge in diesem Tatort. Irgendwie klamaukig, aber eher unbeabsichtigt.
Lieblingsszene
Ninia: Alle mit Fahri Yardim. Überhaupt: Für meinen Geschmack waren hier viele attraktive Menschen am Start. Schweiger und Popos ausgeschlossen.
Falk: Den letzten Satz unterschreibe ich. Außerdem habe ich ja einen leichten Crush auf spielerische Handschellen im Bett, ich oller Spießer.
Johanna: Als Tschiller in seinem Krankenbett geschlafen hat und daher nicht reden konnte. Das waren aber leider maximal drei Minuten – darf beim nächsten Mal ruhig ein wenig ausgedehnt werden.
Falk: Wirklich reden kann der doch eigentlich nie, oder?
Fehler
Ninia: Im Krankenhaus ist Rauchen verboten. (Der eine Böse hat im Krankenhaus geraucht.)
Johanna: Benzin stinkt – das hätte so ein schlauer Gangster riechen müssen.
Falk: Das Auto, mit dem Tschiller aus dem Krankenhaus abhaut, hatte erst ein Bremer und später ein Hamburger Kennzeichen. (Continuity-Fehler aufzuzählen, ist langweilig.)
Dabei habe ich Gänsehaut bekommen
Johanna: Als Tschiller am Ende die Kippe wegwirft und Rahid Astan, im Benzin stehend, verbrennt. Der teilnahmslose Blick von Tschiller – ok, Schweiger hat nur 2-3 verschiedene Gesichtsausdrücke – war zu krass.
Ninia: Als das Kind gezwungen wurde, Tschiller zu erschießen. Im Ernst: Knallt euch alle gegenseitig ab, aber doch nicht solche Szenen, bitte.
Falk: Das war nicht so gemeint, aber: Die Schweiger-Tochter spielt so grauenhaft, da bekomme ich eigentlich immer eine Gänsehaut.
Top-Tweet
Johanna:
Der #tatort hat eine Rahmenhandlung: Til Schweigers Hintern
— Gaby Becker (@android_oma) March 9, 2014
Ninia:
Der Tatort mag unrealistisch sein. Aber auf DMAX paddeln Inkasso-Eintreiber auf der Flucht vor Motorradgangs mit Flugzeugen durch Flüsse.
— Ulrike (@isntfamous) 9. März 2014
Falk:
Leischen säumten seinen Weg. #tatort #Tschiller
— Roger Graf (@rogergraf) 9. März 2014
Bechdel-Test
Ninia: Darüber brauchen wir gar nicht zu sprechen.
Johanna: Setzen, Sechs!
Falk: Doofer Spruch, Johanna. Aber hier angebracht.
Das habe ich gelernt
Falk: Wäre ich halbwegs in der Lage gewesen, die Story zu verstehen, dann hätte ich vielleicht auch was gelernt.
Ninia: Hamburg ist ne richtig gefährliche City. Und bei Tschiller sind alle Organe zwei Zentimeter voneinander entfernt.
Johanna: Til Schweigers Tochter kann genau einen Gesichtsaudruck und eine Emotion weniger als er.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Dass irgendjemand Tschiller wirklich abknallt und Gümer dann alleine ermittelt.
Johanna: Mehr Männer mit Dutt.
Falk: Ich wünsche mir schon, dass sich mal jemand an richtig bösen Pulp rantraut. Aber dann bitte nicht in dieser Bruce-Willis-haften Biederkeit, sondern wirklich hart und jenseits aller Moral. (File under: Träum weiter, Falk.)
Was ich auch noch loswerden wollte
Falk: Ich glaube, der geschätzte Wahlberliner schrieb mal, dass die Reihe Tatort ein Haus für eine große Familie sei, in dem es ganz viele Zimmer gebe, und da sei dann auch Platz für den illegitimen Sohn des Hausherrn, der total prollig ist, immer aggro drauf und außerdem so tut als ob er der Hausherr sei. Niemand mag ihn, aber, Herrgott, er gehört nunmal zur Familie. Dieser prollige Sohn ist der Hamburger Tatort. (Ich kann ja mit Familienanalogien wenig anfangen.)
Johanna: Als der Junge mit den Handschellen im Auto festgemacht ist und da bisschen dran rumreißt und dann der Griff abgeht – das war doch negatives Productplacement, oder? Vielleicht Teil dieser neuen Kampagne von Opel. Also ich würde mir jetzt definitv keinen VW Polo mehr kaufen, wenn sich da keiner ordentlich mit Handschellen festmachen lässt. Wo kommen wir denn da hin…
Ninia: Ich mochte die Brille vom Anwalt.
Gesamtnote
Johanna: 5. Und das ehrlich nicht wegen Schweiger. Ich hatte mir da viel mehr erhofft, vor allem von Fahri Yardims Rolle.
Ninia: Ich bin so unentschlossen. Ich fand das teilweise sehr witzig, unabsichtlich. Vielleicht lag das auch eher an den grandiosen Tweets. Andererseits war da so viel Kackscheiße drin, dass ich dachte, ich höre oder gucke nicht richtig. Die Logik hatte heute frei. Für den ganzen Quatsch muss ich leider auch eine 5 geben. Aber ich hätte wirklich gerne mal einen Tatort mit allen NebendarstellerInnen von heute.
Falk: Ich mag die ganze Anlage dieses Krimis nicht, und, mal ehrlich, der war auch handwerklich nicht gut. Aber wenn man das Thema Clankriminalität in den Tatort bringen will, dann muss ich festhalten, dass das hier durchaus reflektierter passierte als vor zwei Wochen im rassistischen Bremen-Rotz. Also muss die Bewertung wohl besser ausfallen als für Bremen … 3-4. Mit Bauchschmerzen.

3 Kommentare
herr stiller says:
Mrz 10, 2014
Falls jemand weiß, warum das Kind übergangslos von “frackig aus dem Auto abhauen” auf “Ich besuch den Nick im Krankenhaus und winke fröhlich” umgeschwenkt ist, bitte melden.
Anja says:
Mrz 10, 2014
Gibt es eigentlich nicht irgendwo eine Website “Der Tatort-Erklärer” oder so ähnlich, wo jede Folge in einer kurzen Zusammenfassung erklärt wird, also
- wer war es
- warum und
- wie wurde der Fall aufgeklärt?
Das wäre doch ne feine Sache …
Ninia Binias says:
Mrz 10, 2014
Das wäre wirklich eine gute Idee – würde auch mir oft weiterhelfen.