Wer schon mal auf einem war, der weiß die Qualitäten eines Wohnzimmerkonzerts zu schätzen: Diese besondere Intimität, die Nähe zu den Musikern und ein ausgewählter Kreis von Besuchern, die man zum Großteil persönlich kennt. Die Gemütlichkeit. Am Boden sitzen statt dicht gedrängt stehen. Das Bier bringt man selber mit und die Künstler bekommen meist eine freiwillige Spende. Mit einem Wort: Für wenig Geld erlebt man einen besonderen Abend mit netten Menschen.
Aber wie kommt man an ein Wohnzimmerkonzert, wenn man nicht gerade eine befreundete Band einladen kann oder im Musikbusiness vernetzt ist? Gar nicht so einfach, dachten sich die zwei alten Schulfreundinnen Miriam, die in Hamburg lebt und Maddi, die gerade noch in Heidelberg studiert. Und: Das müssen wir ändern.
Eine Recherche der beiden ergab, dass es noch keine Plattform gibt, die Musiker mit Lust auf Wohnzimmerkonzerte mit jenen Leuten vernetzt, die ihr Wohnzimmer dafür zur Verfügung stellen würden. Also suchten sich Miriam und Maddi einen Mitstreiter mit Programmierkenntnissen und begannen, sofaconcerts.org ohne großes Budget umzusetzen. Ich habe die beiden vergangene Woche in Hamburg getroffen und sie haben mir von ihrem Projekt erzählt.
Einer der ersten Schritte für die beiden: Alles über Wohnzimmerkonzerte lernen, was nur geht. Also organisierten sie eine kleine Konzerttour durch die wichtigsten deutschen Studentenstädte – und erhielten schon die ersten Bewerbungen, bevor die Plattform überhaupt online war.
Vor zwei Monaten war es soweit und eine erste Version von Sofaconcerts ging live. Hier können sich Musiker ein Profil erstellen und nach Wohnzimmern suchen oder Musikliebhaber können ihr Wohnzimmer anmelden und zur Verfügung stellen. Perspektivisch wird es auch möglich sein, nach Wohnzimmerkonzerten in der eigenen Umgebung zu suchen und den Gastgeber um eine Einladung zu bitten. Bisher ging das Konzept auf: „Wir hatten am ersten Tag schon 1.000 Besucher auf der Seite und vier Konzerte wurden eingestellt. Mit so einem Erfolg haben wir nicht gerechnet.“, so Miriam. Bisher wurden 70 Konzerte über die Plattform abgewickelt – von Singer/Songwriter-Abenden bis zu Rockgigs. „Wir haben alles ausprobiert“, erzählt Maddi. „Auch 13m2 funktionieren. Das war unser kleinstes Konzert bisher. Und das größte war in einem Loft, das konnte man fast schon nicht mehr Wohnzimmerkonzert nennen”. „Die Plattform hat außerdem schon international Anklang gefunden: Wir haben einen Musiker aus Vietnam, andere aus den USA … weshalb wir auch eine englische Version der Seite bieten”, so Miriam. Mit Nachbarn gab es bisher noch nie Probleme – die akustischen Konzerte sind nicht so laut und bis 22:00 sollte der Spaß auch vorbei sein, so die beiden. Zumal die Nachbarn oft selbst beim Konzert dabei seien, erzählen Miriam und Maddi.
Der gute Start lässt die beiden hoffen, sich perspektivisch mit SofaConcerts finanzieren zu können. Dafür wollen sie in naher Zukunft ein Premiummodell für etabliertere Künstler oder DJs anbieten, die über die Plattform eine feste Gage vereinbaren und ausgezahlt bekommen möchten. Dieses Modell wäre vor allem für Gastgeber interessant, die ihre Gäste einladen wollen, zum Beispiel bei einer Geburtstagsparty, oder für die Buchung von DJs beispielsweise für Hochzeiten. An SofaConcerts würde dann jeweils eine kleine Provision gehen.
Auch die Musikindustrie hat schon Interesse an der Plattform bekundet: Schließlich kann man dort Bands bewerten – und Nachwuchsmusiker, die erfolgreiche Wohnzimmertouren absolviert und viele Fans gewonnen haben, könnten für Booker und Labels interessant sein. Am schönsten finden die beiden aber, dass sich aus den Wohnzimmerkonzerten auch öfter mal Freundschaften zwischen den Gastgebern und Musikern ergeben und dass sie selbst durch ihre Plattform so viele spannende Menschen treffen.
Mich selbst hat das Konzept jedenfalls überzeugt und ich werde mein Zimmer auf der Plattform anmelden. Wenn es euch ähnlich gut gefällt, dann votet doch für die beiden auf Made-in.de-Award. Und meldet euer Wohnzimmer an!

