Neues vom Kriminalsofa (21)

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Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.

Die harten Fakten:

Titel: Auf ewig dein

Stadt: Dortmund

ErmittlerInnen: Faber, Bönisch, Dalay, Kossik

Austrahlungsdatum: 02. Februar 2014

tl;dr

Johanna: Entführung, Schwangerschaft, Callboy und ein großartiger Faber mit Höchstleistung.

Falk: Psychopathentatort. Für Drehbuchautoren bequem: Logik kann man da vernachlässigen.

Ninia: Sherlock vs. Moriarty

Überraschungsmoment

Johanna: Als Faber oben auf dem Dach steht und Markus Graf eine Handschelle anlegt und sich die andere.

Ninia: Als Faber feststellt, an welchem Datum sich der alte Graf im Knast umgebracht hat.

Falk: Als klar wurde, dass die zweite Leiche am Fundort der ersten versteckt ist.

Das hat gefehlt

Falk: Dortmund. Hätte eigentlich überall spielen können.

Johanna: Ganz ehrlich: Mir hat nichts gefehlt. Sie hätten ein paar Pferde zeigen können, weil die ja auch irgendwie Teil der Story waren, aber das wären dann wohl auch eher unpassend gewesen.

Ninia: Was Johanna sagt. Außer die Pferde, die sind mir relativ schnuppe.

Johanna: DIR SIND PFERDE SCHNUPPE? Und das sagst du im Jahr des Pferdes (Chinesischer Kalender)?! Das bringt sicher Unglück.

Ninia: Oh! Tut mir leid! Ich war einfach nie ein Pferdemädchen. Wären es jetzt Nilpferde gewesen… okay.

Falk: Mit Nilpferden lockt man aber keine Dreizehnjährigen.

Das war zu viel

Falk: Der gesamte Schwangerschaftsstrang der doofen Kinderkommissare.

Ninia: Ja. Daniels dusseliges “Ich wär aber so gern Daddy und deshalb müssen wir das gemeinsam entscheiden”-Gelaber. Super aber, wie sie reagiert hat.

Johanna: Ich fand sie aber ehrlich auch ein wenig anstrengend. Meine Schwester rief mich sogar an und fragte, warum sie denn jetzt weine. Ob es da eine Vorgeschichte gäbe, weil sie sich so komisch verhält. Sie wurde ja auch so megaüberemotional dargestellt, voll das Klischee über Schwangere.

Falk: Ich hatte ja gehofft, in der Beziehung der beiden würde versucht, einmal ein anderes Liebesmodell zu zeichnen, ein bisschen unverbindlicher, freundschaftlicher, gleichberechtigter als es das Klischee möchte. Aber anscheinend ist da um 20.15 noch nicht die Zeit für.

Ninia: Dieser Übersensibilität von ihr fand ich auch öde. Und Falk kann ich auch nur zustimmen.

Lieblingsdialog

Falk: „Waren Sie eigentlich schon immer so?“ „So liebenswert?“ „So zynisch.“

Johanna: Es gab wahnsinnig viele gute Dialoge. Am besten fand ich, als Faber ins Hotelzimmer kommt, um den Callboy einzuschüchtern und sagt: “Hat sie schon von mir erzählt? Nein? Auch nicht bei der Zigarette danach? Ich bin der Verrückte…ich weiß, wo du wohnst – aber das muss ich nicht, oder? Na dann husch…”. Ok, das war eigentlich ein Monolog. Trotzdem gut.

Ninia: “Sie sind der Profi, ich bin der Chef vom Ganzen.” Speichere ich unter “Lieblingssätze, die ich schon immer mal sagen wollte” ab.

Lieblingsszene

Ninia: Alle Gespräche zwischen Faber und Graf. Grandios gespielt.

Johanna: Sehe ich auch so. In dem schnieken Restaurant, als Graf die Austern ausschlürft und die beiden so seelenruhig bleiben und über so grausame Dinge sprechen. Das war schon großes Kino. Und das Ende war natürlich grandios. Faber, der bis auf seinen Parka nackt, über den Flur im Revier rennt und ruft: “Das können sie doch nicht machen, die halten mich doch alle für verrückt!”

Falk: Ja, die Restaurantszene. Und die Szene auf dem Dach. Die Duschszene hätte nicht sein gemusst, das war eben noch der comic relief, der in Dortmund halt einen Tacken rauer ausfiel als zum Beispiel in Ludwigshafen.

Fehler

Ninia: Inszenierungstechnisch gab’s keine Fehler.

Johanna: Der Tatort war 1-2 Minuten zu kurz. Ich denke, das ist trotzdem ok.

Falk: Kein echter Fehler, aber weswegen gab es denn eigentlich ständig diese Seitenhiebe wegen Fabers Outfit? So schlimm sah der doch gar nicht aus?

Ninia: Fand ich auch. Aber ich denke, das hat den gleichen Grund wie die Darstellung des Beziehungsmodells – für die Kernzielgruppe ist das schon richtig krass (die haben mich noch nicht am Wochenende gesehen).

Falk: Naja, das spielte in Dortmund, da ist doch so ein Outfit nicht krass. In Düsseldorf hätt ich es noch verstanden, aber im Pott?

Dabei habe ich Gänsehaut bekommen

Falk: Bei Fabers Verhören mit dem Stiefvater des ersten Opfers.

Ninia: Ja, das fand ich auch mega gruselig! Steht bei mir genauso in den Notizen.

Falk: Du machst dir Notizen? Boah, gehst du hier professionell ran!

Johanna: Generell fand ich es gruselig, wie nah sich Faber und Graf in ihrem Denken waren. Und als Faber die Kiste mit den verbrannten Erinnerungen an seine Frau und seine Kinder findet und zusammenbricht. Er schaut dann hoch zum Fenster und da steht Graf und lässt den Vorhang langsam zufallen.

Top-Tweet

Ninia:

Johanna:

Falk:

Das habe ich gelernt

Ninia: Tatort-Autor_innen schauen gerne Sherlock.

Johanna: Keiner sacht so schön Vatter und Schettroom wie Faber.

Falk: „Ein lecker Pils“ geht immer.

Das wünsche ich mir beim nächsten Mal

Ninia: Immer Dortmund. Manchmal darf noch Köln oder Münster dabei sein.

Falk: Überhaupt mal Dortmund. Ein bisschen Mut, echte Geschichten aus meiner Heimat der Herzen zu zeigen, und nicht bloß so eine 08/15-Psychosache.

Johanna:

Was ich auch noch loswerden wollte

Falk: Ach, guck an, Pädophilie ist vererbbar, gilt das auch für alle anderen sexuellen Prägungen? Das wird die homophoben baden-württembergischen Wutbürger in ihrem Kampf gegen eine zeitgemäße Sexualerziehung freuen!

Ninia: Der Handlungsstrang mit dem Callboy war unnötig und irgendwie nur da, damit alle ein persönliches Problem haben.

Johanna: Ein lecker Pils, bitte.

Gesamtnote

Ninia: Für mich der beste Tatort seit langem. Gruselig, dunkel und spannend. Teilweise zwar hart an meiner Grenze, aber auf absolutem Krimi-aus-Skandinavien-Niveau. Ich vergebe eine glatte 1. Anders geht’s nicht.

Johanna: Ich gebe auch eine 1. Es war einfach richtig, richtig gut. Spannend, gruselig, gute atmosphärische Musik und tolle Dialoge. Und am Ende sogar noch was zu lachen.

Falk: 3-. Nicht wirklich schlecht, aber immer noch mit Luft nach oben. Viel Luft nach oben.

Ninia: Ich bin einerseits froh, dass wir uns nicht einig sind. Andererseits habe ich Fragezeichen in den Augen.

Falk: Ach, mir war das zu inkonsequent. Ich will mal eine richtig kaputte Geschichte, und die würde auch in so eine kaputte Region wie den Pott passen. Aber das da ist doch nichts Halbes und nichts Ganzes.

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