Hrafntinnusker er 1.128 metra hátt fjall á gönguleiðinni Laugavegi.
Ofan við skálann er smájökull og í honum frægur íshellir.
– Wikipedia
Was man über meinen Rucksack sagen konnte war – abgesehen von der durchaus komfortablen Hüftpolsterung und seinem angenehm granitfarbenen Äußeren – dass er sich anfühlte, als hätte ich zusätzlich zu all den vermeintlich unerlässlichen Hiking-Utensilien noch ein neugeborenes Walrosskalb mit hineingepackt. Ich massierte mir träge die Schultern. Von draußen ploppte eisiger Regen an die nur unzulänglich abgespannte Außenhaut des Zelts; es war längst dunkel geworden, und die Kälte hing klamm unter der gestauchten Kuppel aus gelben Nylonfasern und Polyester. Wir hatten das Zelt in einem Halbkreis aus aufgeschichteten Felsbrocken aufgestellt, um es ein wenig vor dem Wind zu schützen, die Heringe steckten locker im grobkörnigen schwarzen Kies, der die abschüssige Fläche unterhalb des Gletschers bedeckte.
Etwa fünfzig Meter entfernt, im Vorraum einer Schutzhütte aus dunkelgrün bemaltem Wellblech, dampften unsere durchweichten Schuhe beim Versuch bis zum nächsten Morgen wieder zu trocknen gleichgültig vor sich hin. Ich versuchte, in meinem Schlafsack eine aufrechte Position einzunehmen, ohne seine wärmespendende Wirkung einzuschränken und langte nach dem Whisky, den wir aus einem heimischen Discounter importiert hatten. Er brannte angenehm in den Ausläufern meiner Kehle. Ich reichte die Flasche Mr. Sphinx, der sich bis zum Hals in seinem Schlafsack verpuppt hatte und leicht weggetreten den Kopf schüttelte. Aus der Spalte, die in unmittelbarer Nähe des Zelts im schroffen Gestein klaffte, drang der faulige Geruch von Schwefeldämpfen zu uns herüber und mischte sich mit jenen Ausdünstungen, die stundenlanges, mühsames Stapfen über steil ansteigende, von unwegsamem Geröll gesäumte Pfade wohl zwangsläufig mit sich bringt.
Jambalaya saß zusammengekauert über den zischelnden Gaskocher gebeugt und versuchte, in dem winzigen Vorzelt das Wasser für die streng rationierten Reisportionen zu erhitzen; er fluchte gelegentlich, wenn die Flamme wieder erlosch, was zunehmend häufiger passierte. Ich ließ meinen Blick über unsere ausgerollten Schlafsäcke, die Isomatten, den reglos in seinem Kokon verharrenden Mr. Sphinx und das halbe Dutzend sonstiger verstreuter Habseligkeiten gleiten, die den Innenraum des Zelts ausfüllten. Es war mir nicht ganz klar, ob es sich tatsächlich um ein Zelt für drei Personen handelte, wie der freundliche Verkäufer des Outdoor-Fachgeschäfts versichert hatte. Ich nippte nochmals an dem Whisky.
Wir unterhielten uns kaum, während wir aus unserem Campinggeschirr aßen. Niemand schien kommentieren zu wollen, dass der Reis unseren Nahrungsbedarf allenfalls notdürftig deckte, und dieser Sachverhalt mit den stattlichen Mengen an Fruchtriegeln, die jeder von uns mit sich führte, nur unzureichend kaschiert wurde. Meine Brille beschlug über der heißen Schale. „Wir hätten die Spaghetti nicht schon in Reykjavík essen sollen“, merkte ich nach einer Weile an. Ich erhielt keine Antwort. „Wir müssen die Sachen später noch irgendwie ausspülen“, setzte ich dennoch hinzu. „Sonst ist morgen alles verkrustet, und wir bekommen sie nicht mehr sauber.“
Auf dem Zeltdach war der Regen offenbar noch nicht bei den Zugaben seines monotonen Konzerts angelangt. „Gib’ mir mal den Whisky“, sagte Jambalaya.
Später, in der Nacht – ich war rasch eingeschlafen, obwohl ich mir versagt hatte, noch einmal in die Kälte hinaus zu kriechen, um meine Blase zu entleeren – vernahm ich plötzlich ein merkwürdiges Geräusch, das ich nach einem Augenblick der Ungewissheit nicht mehr einem abflauenden Traum zuordnen konnte. Es schien aus dem Zeltinnern zu kommen.
„Was ist das“, flüsterte ich mehr zu mir selbst und horchte angestrengt.
„Es ist Mr. Sphinx“, sagte Jambalaya neben mir laut und klang dabei, als würde er schon seit geraumer Zeit wach liegen. „Was macht er da?“
„Er scharrt mit den Füßen.“
„Warum?“
„Ich hab’ ja gesagt, dass sein Schlafsack für diese Temperaturen nicht geeignet ist.“
„Er scharrt im Schlaf?“
„Es hat ganz den Anschein.“
„Erstaunlich“, murmelte ich und lauschte wieder. „Klingt wie ein Kaninchen, das ein Loch gräbt.“
„Schnauze“, brummte Mr. Sphinx.
„Er schläft wohl nicht“, sagte ich.
„Sieht ganz so aus“, erwiderte Jambalaya.
Am nächsten Morgen, es musste noch früh sein, krauchte ich ächzend aus dem halbgeöffneten Zelteingang und wischte mir das bauschige Haar aus dem Gesicht. Ich wankte einigermaßen ziellos umher, bis ich schließlich einen angemessenen Felsen fand, der im Licht des aufziehenden Tages feucht glänzte. Es bereitete mir einige Mühen, mit meinen kalten Händen den Gürtel wieder ordnungsgemäß zu verschließen, nachdem ich mein Geschäft beendet hatte. Ich schaute mich um.
Das Gefälle, das sich vor mir entrollte, war mit unzähligen Splittern schwarzer Obsidianlava übersät. Unter dem dichten Wolkengewebe dehnten sich die Ryolithhügel in hellbraunen, beigen und rostroten Farbabstufungen bis zum Horizont aus, besprenkelt nur von weißen, ausgefransten Schneefeldern, und den langgezogenen Schlieren leuchtend grüner Moose. Dampfsäulen wanden sich in gleichmäßigen Abständen aus den Fumarolen im Gestein der Hänge; nicht weit von mir fädelte sich in feinen Nähten ein Bach den Hang hinab, er plätscherte leise. Der Tag war klar und glattgescheuert. Ich lächelte pathetisch bei diesem Anblick, ehe ich bemerkte, dass mir die Nase lief. Eilig begann ich, in meiner Hose nach einem Taschentuch zu fischen.



