Zu Besuch im Makerhub

Makerhub außen

Hamburg Altona, Große Bergstraße. Da, wo nach großen Diskussionen gerade ein innerstädtischer IKEA gebaut wird, auf dem Grundstück des abgerissenen, ehemaligen Karstadt-Gebäudes, das jahrelang von Künstlern und dem Club Hafenklang Exil genutzt wurde. Eine Straße, die migrantisch geprägt war, mit kleinen Geschäften, und, wie manche sagen, „Belebung“ nötig hatte. Die Veränderungen sind spürbar, neue Läden, kleine Cafés haben aufgemacht, andere mussten weichen, aber gerade ist es noch ein Ort der Vielfältigkeit, der Chancen. Ob sie genutzt werden können, wird man sehen. Eine, die kräftig mitwirken will, dass die Große Bergstraße ein nachbarschaftlicher Ort bleibt, ist Seda. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Gründer des Startups Protonet, hat sie im Gebäude gleich neben der IKEA-Baustelle ein Café namens Makerhub eröffnet, das viel mehr bietet als nur Kaffee und Kuchen.

SedaSeda: Die Fläche ist sehr groß, es gibt zwei Stockwerke. Ich habe zu meinem Mann gesagt: Okay, du nimmst du die Hälfte der oberen Fläche als Büro und ich mach unten das Café und nutze die restliche Fläche oben für Veranstaltungen. Man kann die für Seminare oder Workshops mieten, und wir hatten auch schon Barcamps zu Gast oder die Social Media Week.
Im Café bieten wir hauptsächlich Hamburger Produkte, wenn möglich aus der Nachbarschaft. Mein Kaffeelieferant ist in der Nähe, mein Teelieferant auch … Darüber hinaus verkaufe ich auch lokale Designstücke: Yunikue ist eine Hamburger Designerin, deren Kleidungsstücke ich da habe, Wolkenfabrik fabriziert Taschen und Halstücher und Elbband Hundehalsbänder. Mit der Zeit möchte ich das Angebot ausbauen.

 

Les Flâneurs: Was steckt hinter dem Namen „Makerhub“?
Seda: Das geht auf die amerikanische Makerszene zurück, die dort bereits sehr etabliert ist. Das sind High-Tech-DIY-Leute, die 3D-Drucker und CNC-Fräsen benutzen und damit Produkte entwickeln und bauen. Wir würden diese Bewegung gerne hier her holen. Es gibt in Hamburg auch schon ein paar High-Tech-Werkstätten, wie das Fab Lab, die aber eher mit professionellen Leuten zusammen arbeiten, die sich schon ein bisschen damit auskennen. Wir wollen Startworkshops für Kinder und Jugendliche anbieten, wo diese die Geräte kennen lernen, und etwas produzieren können. Irgendwann wollen wir auch Seminare für Erwachsene anbieten, die sich noch gar nicht damit auskennen. Dafür haben wir oben auf der Fläche eine kleine Werkstatt eingerichtet.

 

Makerhub oben

Les Flâneurs: Ihr hattet schon mal eine Mädchengruppe da, hab ich gesehen.
Seda: Genau, den Girlsday gab es. Da sollen Mädchen aus Hamburger Schulen in Männerberufe reinschnuppern. Und da waren zwei Gruppen jeweils an unterschiedlichen Tagen da. Das ist natürlich erst mal ein bisschen weit weg für die Mädchen, die fragten: Und H&M-Klamotten kann man damit nicht produzieren?

Les Flâneurs: Als ich zum ersten Mal einen 3D-Drucker in Aktion gesehen habe, war ich total fasziniert. Wie ist das bei den Kindern? Ist das für die auch so ein Aha-Effekt?
Seda: Ich glaube auch nicht, dass die realisieren, was man damit machen kann. Es ist auch noch nicht für den Haushaltsgebrauch einsetzbar, aber daran arbeiten viele. Es ist für die Mädchen nicht ganz so interessant gewesen. Aber als wir einen Haarreifen gedruckt haben, kam „Aha echt, das geht?“ Das war dann wieder interessant und verständlicher.

Les Flâneurs: Wie ist es hier im Viertel? Seid ihr hier angekommen?
Seda: Es war Zufall, dass die Immobilie hier war, aber witzigerweise wollten Ali und ich auch in das Viertel hier, weil wir in Ottensen wohnen und sich hier gerade einiges entwickelt. Für uns ist es wichtig, hier so ein bisschen mitzuwirken, in der neuen Nachbarschaft. Es ändert sich so viel gerade, und wenn man jetzt nicht anfängt hier ein bisschen mitzuwirken, kann es wieder schief gehen, wie vor ein paar Jahren, als es hier ganz anders aussah, oder es kann jetzt einfach mal richtig boomen und man kann hier ganz tolle Dinge schaffen. Ich hätte ungern die Schanze gewählt, weil da gibt es schon genug Sachen, und hier in Altona fehlt einfach dieses Zusammenkommen von Leuten, die in der Gegend wohnen. Ich kenne jetzt echt schon viele hier, grad von dem Riesenkomplex hier über uns kommen immer wieder Leute, und man lernt sich richtig kennen.

Les Flâneurs: Kommen die Leute auch wegen Veranstaltungen auf euch zu?
Seda: Zur Zeit gerade ganz viel. Ich hab noch gar nicht angefangen, irgendwie Marketing zu betreiben. Also null. Ich hab gerade einen Flyer gedruckt, ich kam noch gar nicht dazu. Wir haben Mitte Februar aufgemacht, und dann ging es Schlag auf Schlag los. Ein Café zu betreiben ist für mich Neuland, ging aber zum Glück ganz gut. Die Fläche oben wird gut angenommen, aber ich muss trotzdem irgendwann anfangen, da mehr eigene Workshops anzubieten. Da war die Zeit einfach noch nicht da. Aber mir ist wichtig, dass das Makerhub ein Treffpunkt wird für alle, die Lust haben, etwas Neues kennen zu lernen.

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Kathrin Kaufmann Verfasst von:

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