Diese Worte aus einem bekannten Schlagersong spukten mir vor einiger Zeit immer wieder im Kopf herum. Der Spuk begann, als Düsseldorf und ich uns wegen Australien trennten. Ich ging damals fort, um in Down Under zu arbeiten, zu leben, Familie zu besuchen und zu reisen. Dafür brach ich meine Zelte in der schönen Stadt am Rhein restlos ab und ging fort, verließ meine Stadt für eine andere. Ich dachte, ich komme nicht mehr zurück. Doch der Spuk ließ mich nicht mehr los.
So richtig lernte ich Düsseldorf 2006 kennen, gleich nach dem Abitur. Davor hatten wir uns nur einige Male flüchtig gesehen, aber erst nachdem ich die Schule beendet hatte, funkte es zwischen uns. Ich fing an zu studieren und führte endlich das unabhängige Leben in der großen Stadt, das ich mir so lange gewünscht hatte. Und das weit und unweit von zu Hause zugleich. Nach dem Studieren kam das Arbeiten. So wurde ich in Düsseldorf „erwachsen“ und die Stadt wurde ein Teil von mir. Ich zelebrierte das manchmal famose Gefühl ein twentysomething zu sein, nicht zu wissen was ich will und wer ich eigentlich bin.
In der neuen Heimat fand ich neue Freunde, und einige von ihnen sind mir bis heute geblieben. Ich setzte mich mit ihnen an die längste Theke der Welt, um ein (zwei, drei) Alt zu trinken. Auf dem Nachhauseweg schritt ich schlendernd am dunklen Rhein entlang, schmachtend, weil die bunten Lichter des Rheinturms so schön im Wasser glitzern. Wenn der Herbst über die Stadt hereinbrach, lustwandelte ich durch die schummrigschönen Altstadtgassen und spürte den Geist vergangener Tage und den von Heinrich Heine. Und ich dachte so bei mir, hier will ich nicht mehr weg.
Nach fast fünf glücklichen Jahren machte ich Schluss, weil ich der Ansicht war, einen Tapetenwechsel nötig zu haben.
Und doch ging ich. Nach fast fünf glücklichen Jahren machte ich Schluss, weil ich der Ansicht war, einen Tapetenwechsel nötig zu haben. Und den hatte ich auch nötig. Damals hielt mich nichts mehr hier und die Zeit in Australien war die beste meines bisherigen Lebens. Und obwohl Sydney und noch viel mehr Melbourne ziemlich großartige Städte sind, offenbarten mir das Leben und der Spuk in meinem Kopf auf der anderen Seite der Welt: „Mädchen, Düsseldorf hat einen größeren Platz in deinem Herzen, als du dachtest!“
Doch nach Australien verschlug es mich nach Hamburg. Eine tolle Stadt. Und ich dachte anfangs, ja, auch das könnte eine große Liebe werden. Doch es blieb bei einer kurzen Affäre, denn wirklich viele Gemeinsamkeiten hatten wir nicht. Schließlich kehrte ich Anfang dieses Jahres zu ihr zurück, zu meiner großen Liebe am Rhein. Und ich weiß jetzt, hier gehöre ich hin. Hier fühle ich mich wohl. Sie versteht mich. Sie weiß, was ich brauche. Wenn man eine Stadt gefunden hat, die einem ein Gefühl von Geborgenheit gibt, sollte man sie nicht mehr loslassen.
Wir sind also wieder vereint. Vielleicht bin ich deshalb so verliebt in Düsseldorf, weil die Stadt stets unterschätzt wird. Hamburg, Berlin, Köln… die Metropolen Deutschlands üben auf viele eine besondere Anziehungskraft aus. Dort ist immer was los, die Straßen sind voller Hipster und es gibt unzählige Möglichkeiten, nicht nur für die Abendgestaltung. Alle wollen hin. Aber wer will schon nach Düsseldorf? Gut, die Stadt ist keine Metropole, dennoch eine der wichtigsten Wirtschafts- und Kulturzentren des Landes. Und sie ist und bleibt undurchsichtig, lässt sich in keine Schublade stecken. Hier will niemand hin und die meisten denken bei Düsseldorf nur an Kö und Pelz. Für die wenigsten ist sie eine erkundenswerte Stadt, kaum einer lüftet ihr Geheimnis. Was diese Stadt tatsächlich zu bieten hat, serviert sie dir nicht auf einem silbernen Tablett. Doch wer sich auf sie einlässt, wird belohnt. Mir gefällt das. Manchmal denke ich, die Stadt und ich, wir sind uns sehr ähnlich.
Heute bin ich immer noch ein twentysomething. Weder Kind, noch erwachsen, irgendwo verloren gegangen zwischen den Jahren. Doch jetzt weiß ich wenigstens, wo ich sein will. In den nächsten Tagen gehe ich auf den Rheinturm und schaue mir meine Wahlheimat mal wieder von oben an. Vielleicht lächle ich dann zufrieden und ganz vielleicht summe ich dann die Melodie eines gewissen Schlagers vor mich hin. Der Spuk hat ein Ende.



