
Der brasilianische Künstler Speto bemalt die Fassade des Millerntorstadions (Alle Fotos: Falk Schreiber, Rechte für die Werke bei den Künstlern)
“Du im Fußballstadion”, kommentiert M. meine Abendpläne auf Facebook. “Toll.” Ich bin kein Fußballfan, M. weiß das. Mir ist klar, dass es in Hamburg eine politische Frage ist, für welchen Verein man Sympathien entwickelt, gut, ich habe Sympathien für den FC St. Pauli, ich war auch schonmal bei einem Spiel, aber alles in allem interessiert es mich einfach nicht sonderlich. Aber sympathisch ist das schon, hier, im Millerntorstadion. Sympathisch ist die antisexistische, antirassistische Grundhaltung des Vereins, selbst wenn ich nicht weiß, inwieweit die in die Praxis reicht, aber ich meine, Theorie ist auch was schönes. Sympathisch ist auch die Initiative Viva con Aqua, die gemeinsam mit der Welthungerhilfe Entwicklungsprojekte anschiebt und die im Fanumfeld des Fußballvereins entstanden ist. Sympathisch ist nicht zuletzt die Nähe des FC St. Pauli zu Indie-, Punk-, Polit- und nicht zuletzt Kunstszene, die rund um die Hafenstraße nahtlos ineinander übergeht. Alles grundsympathisch.
Entsprechend sympathisch auch die Millerntor Gallery, eine temporäre Galerie primär für Streetart und Urban Art, die nach dem Ende der Bundesligasaison drei Tage in den (für die Jahreszeit unverschämt kalten) Katakomben des Millerntorstadions eröffnet hat. Die Erlöse der Galerie fließen an Viva con Aqua, das ist eine gute Sache, das ist künstlerisch allerdings auch alles andere als kleinformatig: Kuratiert hat das Ganze Jörg Heikhaus, der in Hamburg die Galerie Heliumcowboy Artspace betreibt und der als Alex Diamond selbst künstlerisch aktiv ist – Hochkaräter also, und entsprechend sind im Millerntor auch Arbeiten ausgestellt, die weit über die Idee “Gutes Werk” hinausgehen. Geöffnet ist die Millerntor Gallery noch heute von 18 bis 24 Uhr und morgen von 12 bis 24 Uhr, neben der Ausstellung gibt es Konzerte und DJ-Sets unter anderem von Torpus, ME und dem ebenfalls an der Ausstellung beteiligten Künstlerduo Adameva – ein paar besonders spannende Künstler haben wir uns allerdings schon vorab angeschaut.







